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„Ich bin unsichtbar!“

 

Was inspiriert Marc Levy? Welche Atmosphäre braucht er, damit Ideen entstehen und sich entwickeln können, um schließlich zu Geschichten werden? Der Autor bekennt, dass er oft nicht weiß, warum bestimmte Situationen, Begegnungen oder Bilder ihn nicht mehr loslassen, sich in seinem Kopf festsetzen. Oft trägt er mehrere solcher Einfälle gleichzeitig mit sich herum – wissend, dass nur ganz wenige den Grundstein eines seiner Bücher werden bilden können.

Im Jahr 1997 etwa traf sich Marc Levy zum Essen mit einer guten Freundin. Sie war zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren Single. Plötzlich sagte sie zu ihm: „Ich bin unsichtbar!“ Levy brauchte einen Moment, um zu begreifen, was sie meinte: Ihr Leben spielte sich zwischen ihrer leeren Wohnung, der Metro und einem Großraumbüro ab. Sie war vollständig abge­taucht in der Anonymität der Großstadt, ging verloren im modernen urbanen Raum. Es war diese Begegnung, die zum Ausgangspunkt einer seiner fantastischen Romane wurde, die es mit der Unsichtbarkeit und anderen wundersamen Phänomenen mitunter durchaus wörtlich nehmen.

Zwei, manchmal vier oder gar fünf Jahre können vergehen, bis aus einer Idee das Gerüst für eine Geschichte wird. Dann erst zeigt sich, ob die erste Inspiration Anfang, Mittelteil und Schluss eines Romans trägt und ob sich aus ihr Figuren entwickeln lassen. Wenn Levy sich für sein Personal entschieden und die Protagonisten skizziert hat, lässt er diese Skizzen erst einmal ein paar Monate „in Ruhe“. Für ihn sind Romanfiguren wie ganz reale Menschen: Man braucht Zeit, um sie kennen zu lernen, sich mit ihnen anzu­freun­den und etwas über ihre Vergangenheit herauszufinden. Für einen Autor ist dies natürlich ungleich schwieriger als im wirklichen Leben – ist er es doch selbst, der Vergan­genheit, Eigenschaften und Gewohnheiten der Figuren erschaffen muss.

Hat Marc Levy genug über seine Romanhelden herausgefunden, folgt ein erstes Layout, ein grober Plan der Geschichte. Dieser soll aber kein starres Korsett sein. Vielmehr möchte Levy, dass sich die besondere Magie, die seine Romane ausmacht, möglichst frei entfalten kann. Die Figuren müssen atmen können, Raum bekommen für ihre Entwicklung.

Bis zu diesem Punkt können, gerechnet von der ersten Idee an, schon einmal anderthalb Jahre vergangen sein. Wenn keine aufwendigen Recherchen mehr nötig sind, folgt jetzt eine geradezu eruptive Schreibphase: Innerhalb von nur vier Monaten wird der Roman in einem Guss niedergeschrieben – 17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche! All das im Geiste Vorbereitete und lebendig Gewordene drängt nun ans Tageslicht, will so schnell wie möglich in die Welt des Romans eintreten. Und noch während dieser „heißen Phase“ fällt für ihn die Entscheidung, welche der anderen Ideen, die er in sich bewegt, zu seinem nächsten Roman werden soll. Man darf gespannt sein ...

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