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Marc Levy Marc Levy

 

Von der Magie der Liebe und der Kraft der Worte

 

Väter und Töchter – Quelle des Glücks oder die erste unglückliche Liebe?

„Warum habe ich dich nicht früher richtig kennen gelernt?“, fragte sie.
„Eltern und Kinder brauchen oft Jahre, um wirklich zueinanderzufinden.“
„Ich würde mir wünschen, dass wir einige Tage mehr hätten.“
„Ich glaube, wir haben Tage genug gehabt, Liebes.“

Einfach ist sie selten und schmerzfrei fast nie: die Beziehung zwischen Vätern und Töchtern. Und mit dem ersten Schrei nach Leben fängt ein Baby an, nach Liebe zu suchen. Dass diese Liebe zu einem winzigen Baby erwidert wird, ist selten die Frage. Hat sie aber auch Bestand, wenn das Küken sich mausert und seine eigenen Schritte geht? Wenn sich ein weiterer Mann in das Leben der Tochter drängt?
Der erste Freund, Geliebte und Ehemann; er muss nicht nur vor den Augen der Tochter bestehen, sondern sich auch den kritischen Blicken des Vaters stellen. Und auch wenn kein Vater es gerne zugeben wird – unwillkürlich schwingt in diesem Blick die Frage mit: Was hat er, was ich nicht habe? Beschützerinstinkt und Besitzanspruch – nicht jeder Vater kann diesen Impulsen widerstehen.

Die Tochter – eine Frau zwischen zwei Männern

Von einem Vater, der seine Tochter nicht gehen ließ, erzählt der französische Autor Marc Levy in dem herzzerreißenden Roman All die ungesagten Worte. Anthony ist stets ein unterkühler, distanzierter Vater gewesen, der es sich dennoch nicht nehmen ließ, sich in das Leben seiner Tochter Julia einzumischen. Er hat seinerzeit die große Liebe ihres Lebens nicht akzeptiert und die Liebenden getrennt. Dieser Übergriff überschattet die Beziehung von Vater und Tochter lebenslang, bis sich die Situation eines Tages unerwartet zuspitzt. Julia steht kurz davor, einen anderen Mann zu heiraten, und Anthonys Leben wird bald enden. Im Angesicht des baldigen Todes entschließt sich der Vater zu einem gewagten Schritt und beginnt zu kämpfen. Um seine Tochter und für deren einstige große Liebe. Anthony weiß, der Bräutigam ist nicht der Mann, den seine Tochter liebt. Und so sucht er sie, „All die ungesagten Worte“, mit denen er Julia von sich und seiner Liebe erzählen will.

„Ist doch merkwürdig. Aus Angst zu leiden oder eines Tages verlassen zu werden, findet man alle möglichen Vorwände, um gar nicht erst zu lieben.“

Gemeinsam machen sich Vater und Tochter auf die Suche nach Julias früherer Liebe Thomas. Die Suche nach dem Geliebten ist zugleich eine Reise von Vater und Tochter zueinander. Und so erzählt dieses Buch von der Liebe zwischen Mann und Frau, aber vor allem von der Liebe zwischen Eltern und Kindern. Anthony bringt sie wundervoll auf den Punkt, diese zärtliche und zugleich schmerzliche Liebe, die alles gibt, um ein Kind zu beschützen und bestärken. Er spricht von der Fähigkeit zu geben und dem Wissen, verlassen zu werden. „Kannst du dir vorstellen, wie sehr man lieben muss, um nur für seine Kinder zu leben, die die ersten Jahre vergessen und die folgenden dazu nutzen, uns unsere Fehler vorzuwerfen, und dabei immer zu wissen, dass unausweichlich der Tag kommen wird, an dem ihr, stolz auf eure Freiheit, gehen werdet? Du wirfst mir meine Abwesenheit vor, aber weißt du, wie schwer es ist, wenn die Kinder gehen? Kannst du dir den Schmerz vorstellen, den dieser Bruch verursacht?“
Ob man diesen Roman als Tochter, Mutter oder Vater liest: "All die ungesagten Worte" kitzelt elegant und humorvoll die Tränendrüsen. Man kann sich wunderbar fallen lassen in die Intensität der Gefühle, da der liebevolle Humor zuverlässig im nächsten Absatz wartet und das Pathos der tiefen Gefühle auffängt. Dass die eine oder andere Träne rollen wird, ist allerdings unvermeidlich. Denn, Hand aufs Herz, was gibt es Berührendes, als vom eigenen Vater diese Sätze zu lesen:
„Meine liebe Julia, danke für diese Tage, die du mir geschenkt hast. Wie lange habe ich darauf gewartet, wie lange davon geträumt, Bekanntschaft mit der wunderbaren Frau, die du geworden bist, zu machen. ... Ich war nicht ausreichend zugegen, nicht so oft, wie du es wünschtest. Ich wäre gerne Dein Freund geworden, Dein Komplize, Dein Vertrauter. Ich war nur Dein Vater, doch ich werde es für immer sein.“

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